Die Warmlaufphase



Meine Große kommt morgens recht schleppend in die Pötte.
Also eigentlich gar nicht.
Ausnahmen sind freilich die Wochenenden, Feiertage und Ferien.
Da es morgens momentan auch noch ein wenig frisch ist, kann ich schon irgendwie verstehen, dass sie lieber unter der warmen Bettdecke eingemummelt bleiben möchte — aber es ist ja üblicherweise noch nicht einmal ihre eigene Bettdecke. Die liegt des öfteren vor dem Bett, wohingegen sie sich die Decke ihrer Schwester klaut.
Auf jeden Fall sieht ihr (Schul-)Morgen meistens so aus, dass ich sie mehrfach verbal nötigen muss, das Bett zu verlassen. Erst leichte Drohungen in der Form von “wenn du JETZT nicht aufstehst, kriegst du kein Frühstück mehr” führen dazu, dass sich kurz darauf ein müder Morgenzombie durch die Wohnung tastet.
Ihr erster “Gang” ist dann der zum Heizlüfter, wo sie mit aller Kraft, die ihr in dieser Situation zur Verfügung steht, die Kindersicherung (sic!) zum Nachgeben zwingt und sich erstmal ausgiebig in der Warmluft aalt. Fragen nach den Frühstückspräferenzen werden zu diesem Zeitpunkt üblicherweise in Form von gutturalen Unverständlichkeiten beantwortet. Die Deutlichkeit der Aussprache steigt leicht unterproportional zu der Verweildauer vor dem Elektrogerät.
Weil ich ein bekennender Frühaufsteher bin, habe ich um diese Uhrzeit freilich einen deutlichen Wachheitsvorsprung und auch schon ein, zwei Kaffee im Bauch. Deshalb fällt es mir auch etwas schwer, mich in sie hineinzuversetzen.
Aber ich konnte die Tage zumindest für kräftige Lacher Mamaseits sorgen, als ich der Großen gegenüber angemerkt habe: “Ist das jetzt dein Ernst?! Das kann doch nicht sein, dass du jeden Morgen so viel Starthilfe brauchst?!”

;-)

Sonntag, 15. März 2015 by Wolfram
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