EOS 1000D Scheibenreparatur



Neulich habe ich meine EOS 1000D und eine Tischecke saudoof zusammen gebracht; das Resultat war — sagenwirmal — suboptimal.
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Was hab ich mich da über meine eigene Schusseligkeit geärgert!
Ein Trostpunkt war, dass das Display selbst nichts abbekommen hatte, nur die Schutzscheibe oben drauf.
Aber ich wusste von meinem Geschäftskollegen Simon, dass Canon (zumindest früher) keinerlei Ersatzteile herausgegeben hat und man defekte Geräte immer einschicken musste.
Super, hab ich mir gedacht, die defekte Displayschutzscheibe reparieren zu lassen wird wahrscheinlich ähnlich teuer wie die Kamera neu gekostet hat (ist ja “nur” eine 1000D).

Spaßeshalber habe ich mal bei der Firma Herbert Geissler angefragt, ob die mir vielleicht so eine Schutzscheibe schicken würden, wenn es die denn als Ersatzteil gibt.

Die Antwort war positiv; inklusive Märchensteuer und Versand kam das Reparaturkit kurze Zeit darauf für knapp 20€ bei mir an.
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Bei dem einen Teil (rechts im Bild) handelte es sich ganz klar um die Scheibe, aber was das andere sein sollte, war mir zunächst noch nicht klar. Schließlich habe ich noch dieses Video auf Youtube angeschaut, in dem jemand das Display (jedoch nicht die Schutzscheibe) einer bauähnlichen EOS 400D in nur sechs Minuten tauscht.

Mit einem wirklich feinen Kreuzschlitzschraubendreher bewaffnet habe ich mich nun gestern daran gemacht, die neue Scheibe einzubauen; herausgekommen ist dieses How-To / diese Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ich das gemacht habe.

Update 27. März 2013:
Leser Lukas berichtet mir, dass man nicht unbedingt die ganze Kamera zerlegen muss.
Wenn man mit einem haushaltsüblichen Föhn das Scheibchen (genauer: den Klebestreifen dahinter) vorsichtig erwärmt, kann man seiner Mail nach die alte Scheibe mit einem Bastelmesser raushebeln.

Wichtig vorab: das hier sind meine Erfahrungen und meine Vorgehensweise. Ich weiß weder, ob das tatsächlich der von Canon vorgesehene Weg ist noch ob ich alles richtig gemacht habe! Wenn das hier jemand nachmacht, dann tut dieser jene welche das auf eigene Gefahr!

Zuallererst muss die Batterie raus, klarer Fall.
Das Rückenteil der EOS 1000D ist wie das der 400D mit nur einigen wenigen (also acht Stück halt) Schrauben festgemacht. Es lohnt sich wirklich, einen echt guten Kreuzschlitzschraubendreher zu verwenden; zu leicht sind die kleinen Dinger verhunzt.

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Der Folienleitstecker, der die Tasten und das Display auf dem Rückenteil mit dem “Mainboard” verbindet, geht mit wohldosierter, sanfter Gewalt abziehen, und dann liegt das Rückenteil schon einzeln da.

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Um an das Display beziehungsweise die Scheibe zu kommen, müssen nur die vier markierten Schrauben gelöst und der Blechdeckel abgenommen werden.
Wenn diese vier Schrauben weg sind, dann sind die Knöpfe rechts oben auch nur noch sehr labil. Nun kann das Display vorsichtig herausgehebelt werden. Ich habe es vorsichtig mit einem Schlitzschraubendreher an allen vier Ecken angelupft; es ist nur mit doppelseitigem Klebeband (und eben dem Blechdeckel, wenn der montiert ist) fixiert.
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Ist es locker, kann es einfach an seinen Flachbandkabeln zur Seite geklappt werden.

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Anschließend habe ich die alte Scheibe von innen mit dem Daumen rausgerückt. Dabei vorsichtig sein und das Display nicht beschädigen; da jetzt das Display und die Scheibe fehlt, wird der Rest vom Gehäuserücken auch ziemlich labil!

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Der alte Klebefilm muss restlos entfernt werden; ich habe dazu einen Schlitzschraubendreher verwendet, um jeweils ein wenig des Klebefilms anzuheben; er geht dann recht einfach am Stück abziehen.

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Nun kommt das Geheimnis des zweiten Bestandteils des Reparatursatzes. Das ist nämlich die neue Klebefläche. Eingeschlossen zwischen transparenten Kunststofffolien. Ich habe die Schutzfolie so abgezogen, dass das Fähnchen noch dran blieb. Dann wird der neue Klebefilm in den Gehäusedeckel eingeklebt. Am Einfachsten ging das, als ich den Klebefilm zuerst an der im Foto oberen Seite angesetzt habe. Es ist eine gute Idee, das Einsetzen vorher (noch mit Schutzfolie) zu üben; sobald der Klebefilm Kontakt kriegt, macht er nämlich genau das, was er soll — er klebt…

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Den Klebefilm drückt man sorgfältig in allen Ecken sauber an; hierfür eignet sich zum Beispiel das holzige Ende eines kleinen Pinsels, oder eben auch wieder ein Uhrmacherschraubendreher.

Nun die äußere Schutzfolie vom Klebefilm mit der raushängenden Lasche abziehen und die innere Schutzfolie von der neuen Scheibe runter, und rein damit in die neue Heimat.
Ich habe die Scheibe genauso zuerst oben angesetzt wie den Klebefilm; leichter Druck mit dem Daumen ringsrum führt dazu, dass sie nicht mehr rausfallen kann.

Der Zusammenbau erfolgt dann wie allgemein üblich “in umgekehrter Reihenfolge”. Ein Detail noch am Rande, was mir beinahe einen Herzinfarkt verursacht hat:
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Wenn man das Rückenteil wieder mit dem Mainboard verheiratet, muss man ja den Folienleitstecker wieder zurück an seinen Platz bringen. Das ist auf jeden Fall als nicht-trivial einzustufen; vor allem auch, weil Canon in meiner EOS auf der Platine was verbaut hat, was ich so noch nicht gesehen hatte: wenn der Kontakt entlastet wird (also abgesteckt ist), dann lässt sich die schwarze Leiste hin und her klappen. Dabei hat sie eine ähnliche Funktion wie der Hebel an ZIF-Sockeln - hochgeklappt kriegt man das Kabel sehr leicht rein, runtergeklappt so gut wie gar nicht. Wichtig ist, dass das Kabel bis zum Anschlag reingesteckt wird, danach erst die schwarze Leiste runterklappen!

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Fertig!
Sieht man kaum, dass ein Dilettant ein Erstlingswerk abgegeben hat, oder?!

Sonntag, 11. Oktober 2009 by Wolfram
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